UFW-Fachtagung 2012

Am 2. Mai 2012 veranstaltete das Ulmer Forum für Wirtschaftswissenschaften (UFW) e.V. in Zusammenarbeit mit der Universität Ulm seine inzwischen elfte Fachtagung zu aktuellen Fragestellungen der Rechnungslegung und Wirtschafts- prüfung und konnte hierzu rund 380 Praxisvertreter aus dem gesamten Bundesgebiet sowie Studierende der Universität Ulm begrüßen.
Herr Professor Dr. Kai-Uwe Marten, Direktor des Instituts für Rechnungs- wesen und Wirtschaftsprüfung, hieß die Teilnehmer und Referenten der UFW- Fachtagung in Ulm herzlich willkommen. Herrn Professor Dr. Ulrich Stadtmüller, Vizepräsident für Lehre, stellte im Anschluss die Universität Ulm sowie den Studiengang Wirtschaftswissenschaften vor. Die Vorsitzende des Vorstands des UFW, Frau Professor Dr. Brigitte Zürn präsentierte daraufhin den Teilnehmern der Fachtagung den im März 2004 gegründeten Verein, welcher mittlerweile über 400 Mitglieder zählt und stetig wächst.

Den Hauptteil der diesjährigen Fachtagung bildete eine Podiums- diskussion zum Thema „Abschluss- prüfung in Europa – Lehren aus der Krise“ unter der Moderation von Herrn Dipl.-Kfm. Georg Giersberg, Wirtschaftsredakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Zu den Teilnehmern gehörten Dr. Dr. h.c. Edmund Stoiber, ehemaliger bayerischer Ministerpräsident und jetziger Vorsitzender der High Level Group zur Entbürokratisierung bei der Europäischen Kommission, Professor Dr. Klaus-Peter Naumann, Sprecher des Vorstands des Instituts der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V. (IDW), sowie der neu gewählte Präsident der Wirtschaftsprüferkammer (WPK), Dr. Claus C. Securs. Zu Beginn diskutierte die prominente Runde, was die im Jahre 2008 ausgelöste weltweite Finanzkrise und die derzeitige europäische Schuldenkrise mit Fokus auf Griechenland gemein haben. Dabei nahm Herr Dr. Stoiber eine ganzheitliche Perspektive ein und berichtete von seinen Erfahrungen aus der EU-Arbeitsgruppe. „Der Glaube an die Allmacht des Staates ist viel zu groß“, betonte er wiederholt. Vor allem angesichts der Finanzkrise würden immer wieder neue Regelungen gefordert. Dabei hätte es allein im letzten Jahr 18.000 Rechtsbefehle aus Brüssel gegeben. Dazu kommen 3.000 weitere aus den EU-Mitgliedsstaaten. „Wir müssen lernen, mehr auf uns selbst zu vertrauen. Dann erreichen wir einen Bürokratieabbau“, sagte der Jurist. Herr Professor Naumann wendete ein, dass die Bürger bei Krisen neue Regeln fordern und bekundete dieselbe Meinung wie sein Vorredner, dass der Glaube der Menschen in die Allmacht des Staates zu groß sei. Die beiden hochrangigen Vertreter des Berufsstandes der Wirtschaftsprüfer, Herr Professor Naumann und Herr Dr. Securs, beleuchteten vor allem die Rolle ihrer Zunft während der Krise und diskutierten den möglichen Nutzen europaweiter Regularien. „Uns ist teilweise vorgeworfen worden, nicht rechtzeitig und eindringlich genug vor krisenhaften Entwicklungen gewarnt zu haben“, berichtete Herr Professor Naumann. Er glaube allerdings, dass der Berufsstand der Wirtschaftsprüfer eine steile Lernkurve absolviert habe.

Herr Dr. Securs verteidigte die derzeitige Rechnungslegung deutscher Unternehmen. Alle Bilanzen, auch die der kleineren Unternehmen und die des Mittelstandes, seien aussagekräftig, jedoch hätten die Medien eine sehr hohe Erwartungshaltung gegenüber der Arbeit der Abschlussprüfer. Wichtig seien einheitliche Prüfungsstandards, um Abschlussprüfungen in Europa vergleichen zu können. Eine neue Richtlinie in Bezug auf weitere Qualitätssicherungsmaßnahmen sei nicht zwingend erforderlich, da Deutschland in diesem Gebiet Vorreiter sei. Es sollte jedoch analysiert werden, was getan werden kann, um die Abschlussprüfung für ihre Adressaten wertvoller zu machen. Über den Bestätigungsvermerk hinaus erfolgt aber grundsätzlich keine Information der Öffentlichkeit über das Ergebnis der Abschlussprüfung. Die Aufgabe des Wirtschaftsprüfers ist nicht die Informationsweitergabe, sondern die Prüfung des Jahresabschlusses auf seine Richtigkeit. Ein weiteres Thema der Podiumsdiskussion war die Trennung von Prüfungs- und Beratungsleistungen. Laut Herrn Dr. Securs spricht grundsätzlich nichts dagegen, ein Unternehmen zu beraten und auch zu prüfen, solange die Beratung nicht prüfungsrelevante Bereiche betreffe. Er fordert darüber hinaus eine Gebührenordnung, da Prüfungshonorare in Relation mit dem notwendigen Aufwand teilweise nicht ausreichend seien. Herr Professor Naumann lehnt eine Gebührenordnung für die Abschlussprüfung dagegen ab; er fordert eine marktwirtschaftliche Vorgehensweise gegen den Preiskampf. Abschließend riet Herr Dr. Stoiber zu einer Zurückhaltung gegenüber neuen Regelungen, die oftmals ihre Wirkung verfehlen und plädierte für mehr Selbstregulierung.
Beim anschließenden Abendimbiss endete die diesjährige UFW-Fachtagung mit einem geselligen Beisammensein, bei dem noch offene Fragen zwischen den Teilnehmern und den Referenten geklärt sowie neue Kontakte geknüpft und bisherige gepflegt werden konnten.