UFW-Fachtagung 2009

Am 6. Mai 2009 veranstaltete das Ulmer Forum für Wirtschaftswissenschaften (UFW) e.V., das sich die Förderung von Wissenschaft, Hochschulausbildung und Praxis zum Ziel gesetzt hat, in Kooperation mit der Universität Ulm zum achten Mal seine Fachtagung zu aktuellen Themen der Rechungslegung und der Wirtschaftsprüfung. In diesem Rahmen konnte das UFW auch dieses Jahr rund 200 Manager mittelständischer Unternehmen, Vertreter von Kreditinstituten, Wirtschaftsprüfer, Steuer- und Unternehmensberater aus dem gesamten Bundesgebiet sowie zahlreiche Studierende an der Universität Ulm willkommen heißen.

Im Anschluss an die Grußworte von Herrn Professor Dr. Hans-Joachim Zwiesler, vom Institut für Versicherungswissenschaften, an die Teilnehmer und die Referenten der Fachtagung stellte der Präsident der Universität Ulm, Herr Professor Dr. Karl Joachim Ebeling, die Entwicklung des Studiengangs Wirtschaftswissenschaften am Universitätsstandort Ulm dar. Hierzu zählen unter anderem die Gründung des Instituts für Technologie- und Prozessmanagement und die Erweiterung des Lehrangebots durch neu eingerichtete Professuren. Darüber hinaus appellierte Herr Professor Ebeling an die Verantwortung der Wissenschaft, moralische und ethische Aspekte in Entscheidungsprozesse einzubeziehen, um Entwicklungen wie in der gegenwärtige Wirtschafts- und Bankenkrise zu unterbinden. Eine zusätzliche Entwicklung der Fakultät für Mathematik und Wirtschaftswissenschaften bildet die von Herrn Professor Dr. Kai-Uwe Marten vorgestellte und bislang deutschlandweit einmalige Akkreditierung eines Bachelorstudiengangs Wirtschaftswissenschaften nach § 13b WPO, die ermöglicht, dass Studierende studienbegleitend Prüfungsleistungen ablegen, die auf das Wirtschaftsprüferexamen anrechenbar sind. Anschließend blickte Frau WP/StB Professor Dr. Brigitte Zürn, Vorsitzende des Vorstands des UFW, auf die erfolgreiche Entwicklung des Vereins zurück, der mittlerweile über 300 Mitglieder zählt und berichtete über den UFW-Förderpreis, der im Herbst 2008 zum zweiten Mal in Kooperation mit der Südwest Presse Ulm an die beiden besten Diplo-manden der Fakultät für Mathematik und Wirtschaftswissenschaften verliehen wurde.

Die Vortragsreihe selbst wurde von Herrn Ministerialrat FAStR Dr. Christoph Ernst, Leiter des Referats Rechnungslegung, Publizität, Recht der Abschlussprüfung im Bundesministerium der Justiz, Berlin, eröffnet, der zum jüngst verabschiedeten Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) referierte. Infolge der gegenüber der Entwurfsfassung vorgenommenen Änderungen betonte Herr Dr. Ernst, dass das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz in seiner derzeitigen Fassung abschließend vollendet sei und lediglich die Unterzeichung der Bundeskanzlerin und des Bundespräsidenten noch ausstünde. Den Schwerpunkt des BilMoG bilde die Verbesserung des Informationswerts für den Bilanzadressaten sowie die Anpassung des deut-schen Bilanzrechts an internationale Entwicklungen. Darüber hinaus würden kleine und mittlere Unternehmen von überflüssigem Bilanzierungsaufwand entlastet und verbesserte Kapitalaufnahmemöglichkeiten geschaffen. Nach den Ausführungen von Herrn Dr. Ernst wurden Änderungen gegenüber dem Gesetzesentwurf nur in wenigen Fällen vorgenommen. Dies betrifft insbesondere die Revidierung der Aktivierungspflicht bei latenten Steuern sowie bei immateriellen Vermögensgegenständen, wenngleich Herr Dr. Ernst in der Wiederaufnahme des Aktivierungswahlrechts einen Bruch mit der Konzeption des Gesetzes sieht. Allerdings hätten die fehlende Greifbarkeit immaterieller Vermögensgegenstände und das daraus entstehende Misstrauen in eine Aktivierung zu diesem Ergebnis geführt. Infolge der Finanzmarktkrise standen zudem die Konsolidierung von Zweckgesellschaften sowie das Konzept des Fair-Value im Mittelpunkt der Diskussion. Im Hinblick auf Zweckgesellschaften sollten diese, nach Aussage von Herrn Dr. Ernst, immer dann in den Konsolidierungkreis einbezogen werden, wenn das Mutterunternehmen die Mehrheit der Chancen und Risiken an der Zweckgesellschaft trägt. Dies treffe auch dann zu, wenn Kriterien wie bspw. die einheitliche Leitung nicht erfüllt bzw. umgangen würden. Des Weiteren ging Herr Dr. Ernst auch auf die Streichung der Fair-Value Bewertung von zu Handelszwecken gehaltenen Finanzinstrumenten ein und thematisierte die beibehaltenen Änderungen des Gesetzesentwurfs. Abschließend stellte sich Herr Dr. Ernst den Rückfragen des Auditoriums.

Als zweiter Referent erläuterte Herr RA Jürgen Tiedje, Referatsleiter für den Bereich Revisi-on der EU-Kommission, die Stärkung der Prüfungsqualität durch die 8. EU-Richtlinie und analysierte die derzeitige Situation am Markt der Pflichtprüfer. Einleitend betonte Herr Tiedje, dass Wirtschaftsprüfer im öffentlichen Interesse handeln, zum öffentlichen Vertrauen beitragen müssen und ihr Markt in beträchtlichem Maße der Globalisierung unterliege. Daher seien die Anhebung der Prüfungsqualität sowie die Unabhängigkeit des Prüfers von besonderer Bedeutung. Die so genannte Abschlussprüferrichtlinie habe, infolge der internationalen Geschäftsbeziehungen des Berufsstandes, zum Ziel, eine Angleichung an internationale Standards zu erreichen. Öffentliche Aufsichtsorgane wie die Abschlussprüferaufsichtskommission (APAK) wären auch in anderen Mitgliedsstaaten notwendig, um eine unabhängige Überwachung und damit letztendlich die Glaubwürdigkeit des Berufsstandes zu gewährleisten. Ferner würde die weltweite Akzeptanz der verschiedenen Aufsichtsorgane zu einer Reduzierung von Kostentreibern für internationale Prüfungen führen. Darüber hinaus sprach Herr Tiedje die Auswirkungen der Einführung einer Haftungsbegrenzung an und stellte fest, dass bei einem zu hohen Haftungsrisiko derartige Prüfungsleistungen nicht mehr angeboten würden. Eine solche Beschränkung müsse sich auch auf die Haftung gegenüber Dritten beziehen und es sei zu bedenken, dass aus einer begrenzten Haftung auch eine Qualitätsminderung infolge eines „Moral Hazard“ resultieren könnte. Einen weiteren Schwerpunkt des Vortrags bildete die derzeit diskutierte Einführung internationaler Prüfungsstandards (ISA). Die Anwendung international akzeptierter Prüfungsstandards könne, laut Herrn Tiedje, eine höhere Reputation des Prüfers sowie eine Anhebung der Prüfungsqualität bewirken. Allerdings müsse bei deren Anwendung auf die Verhältnismäßigkeit geachtet und auf die Gefahr ausschließlich standardisierter Prüfungshandlungen hingewiesen werden. Abschließend sprach Herr Tiedje die Marktkonzentration der „Big Four“ sowie die Problematik des Bieterwettbewerbs an und stellte Überlegungen zu einem Code of Governance sowie zur Eigentümerstruktur von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften an.
In der darauf folgenden Kaffeepause bot sich den Teilnehmern die erste Möglichkeit zu einem persönlichen Gespräch mit den Referenten. Zugleich konnten die Besucher die Gelegenheit nutzen, sich an den Informationsständen ausgewählter Verlage zu informieren.

Im Rahmen der diesjährigen Diskussionsrunde, die durch Herrn Dipl.-Kfm. Georg Giersberg, Wirtschaftsredakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, moderiert wurde, diskutierten hochrangige Vertreter der beiden berufsständischen Organisationen der Wirtschaftsprüfer sowie der Abschlussprüferaufsichtskommission und der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung DPR e.V. das Thema „Droht eine Überregulierung in der Rechnungslegung, Prüfung und Berufsaufsicht?“. Eröffnet wurde die Diskussionsrunde von Herrn Dr. Herbert Meyer, Präsident der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung DPR e.V., der ein Statement zum Thema „Komplexität der IFRS als maßgebliche Ursache für die Fehleranfälligkeit der Abschlüsse kapitalmarktorientierter Unternehmen“ abgab. Zudem stellte Herr Dr. Meyer die Untersuchungsergebnisse der DPR vor und verwies auf die nicht zufrieden stellend hohe Fehlerquote von 25%. Nachfolgend bezog Herr WP/StB Professor Dr. Klaus-Peter Naumann, Sprecher des Vorstands des Instituts der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V. (IDW), zur Einführung des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes und zum Prüfungsmarkt Stellung und postulierte, dass viele Unternehmen dem faktischen Druck nach internationalen Regeln aufzustellen, unterlägen. Er sprach sich ferner für ein „downsizing“ der Prüfungsstandards aus. Herr WP/StB Professor Dr. Norbert Pfitzer, Präsident der Wirtschaftsprüferkammer (WPK) befürwortete eine Regulierung der Märkte, welche infolge externer Effekte und asymmetri-scher Informationsverteilungen notwendig sei. Jedoch sei eine gute Regulierung dadurch ge-kennzeichnet, dass sie zielorientiert reguliere, angemessen und verhältnismäßig sei und zugleich dem Kriterium der Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit genüge. Darüber hinaus wurde die Transparenz als ein zentrales Kriterium angesprochen. Zum Ende stellte Herr Dr. h.c. Volker Röhricht, Vorsitzender der Abschlussprüferaufsichtskommission (APAK), die Tätigkeit der Aufsichtsorganisation dar und sprach sich ebenfalls für vergleichbare internationale Aufsichtssysteme aus. Ferner wies Herr Dr. h.c. Röhricht auf die Möglichkeit einer Effizienzsteigerung des Letztentscheidungsrechts der APAK hin, indem diese von Anfang an in Inspektionen eingebunden würde. Auf Grundlage der Statements sowie der kritischen Hinterfragung durch Herrn Giersberg, entstand eine anregende Diskussion zwischen dem Auditorium, dem Moderator und den Diskussionsteilnehmern.

Der gemeinsame Imbiss nach der Vortragsveranstaltung gab den Teilnehmern erneut die Gelegenheit, das Gespräch mit den Referenten und anderen Gästen zu suchen, die anregende Diskussion fortzuführen sowie Kontakte zu knüpfen oder zu pflegen.
Finanziell unterstützt durch die Sponsoren BDO, DATEV, Deloitte, Ernst & Young, IHK Ulm, KPMG, MOORE STEPHENS, PwC und der Sparkasse Ulm ist es dem UFW mit der Fachtagung 2009 abermals gelungen, durch ein hochkarätiges Referententeam den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis zu fördern. Sofern sich nach Deckung der Kosten für die Fachtagung ein Überschuss ergeben sollte, wird das UFW diesen im Sinne seines gemeinnützigen Vereinszwecks verwenden.