UFW-Fachtagung 2008

Veranstaltungsbericht über die UFW-Fachtagung 2008 „Herausforderungen für den Mittelstand“

Das Ulmer Forum für Wirtschaftswissenschaften (UFW) e.V. veranstaltete am 7. Mai 2008 in Kooperation mit dem Institut für Rechnungswesen und Wirtschaftsprüfung der Universität Ulm unter Leitung von Herrn Professor Dr. Kai-Uwe Marten eine Vortragsveranstaltung zum Thema „Herausforderungen für den Mittelstand“. Zur siebten UFW-Fachtagung konnten auch in diesem Jahr erneut über 300 Manager mittelständischer Unternehmen, Vertreter von Kreditinstituten, Wirtschaftsprüfer, Steuer- und Unternehmensberater aus dem gesamten Bundesgebiet sowie zahlreiche Studierende der Universität Ulm empfangen werden.

Zu Beginn der Veranstaltung hob der Präsident der Universität Ulm, Herr Professor Dr. Karl Joachim Ebeling, in seinem Grußwort das Ausbaukonzept „Hochschule 2012“ hervor, welches unter anderem die Gründung des Instituts für Technologie- und Prozessmanagement sowie die Ausweitung der Zulassungsbeschränkung des Studiengangs Wirtschaftswissenschaften auf 175 Studienanfänger pro Jahr vorsieht. Anschließend blickte die Vorsitzende des UFW, Frau WP/StB Professor Dr. Brigitte Zürn, auf die erfolgreiche Entwicklung des im Jahr 2004 gegründeten Vereins zurück, der mittlerweile über 270 Mitglieder zählt.

Die Fachtagung begann mit einem Vortrag von Herrn Dr. Dieter Hundt, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände e.V. (BDA), dessen Titel „Der deutsche Mittelstand – Chancen wahrnehmen und Herausforderungen meistern“ lautete. Herr Dr. Hundt referierte über die Rahmenbedingungen in Deutschland und deren Auswirkungen auf Unternehmen. Er unterstrich die Bedeutung mittelständischer Unternehmen als Rückgrad der deutschen Wirtschaft. Der Erfolg der Unternehmen hänge nicht nur vom Geschick der Unternehmensführung ab, vielmehr müssten auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erfüllt sein, so Herr Dr. Hundt. Neben den Erwartungen kleiner und mittelständischer Unternehmen an die Standortpolitik thematisierte Herr Dr. Hundt die Forderungen an die Arbeits- und Sozialpolitik in Deutschland. Er verlangte eine unternehmerfreundlichere Erbschaftsteuerreform. Die derzeit angedachte Besteuerung von Unternehmensübergängen hingegen führe zu einer zusätzlichen Gefährdung des Mittelstandes. Als weitere Risiken und Herausforderungen für mittelständische Unternehmen identifizierte Herr Dr. Hundt neben der US-Finanzmarktkrise, dem schwachen Dollarkurs und der sich insgesamt abschwächenden Weltkonjunktur die anhaltend hohen und ständig steigenden Energie- und Rohstoffpreise.

Im Anschluss sprach Herr Jörg Ziercke, Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), über die „Gefahren für die Wirtschaft durch aktuelle Kriminalitätsphänomene“. Er berichtete, dass die Globalisierung die Basis für eine rasante Verbreitung neuer Technologien darstelle, welche zu einer veränderten Kriminalität und zu neuartigen Bedrohungsszenarien, insbesondere im Informations- und Kommunikationssektor, führe. Herr Ziercke kritisierte, dass Unternehmen in Bezug auf die notwendige IT-Sicherheit nur bedingt gerüstet seien. Lediglich 50 % der IT-Verantwortlichen hätten eine schriftlich fixierte Strategie zur Informationssicherung. Eine Vielzahl von Unternehmen messe dem Thema erst nach einem Schadensfall die notwendige Relevanz bei, so Herr Ziercke. Die Sicherheitskompetenz der Nutzer von Informations- und Kommunikationstechnologien müsse auf allen Ebenen verbessert werden. Herr Ziercke legte dar, welche Auswirkungen neue Kriminalitätsformen auf Staat, Wirtschaft und Gesellschaft haben. Er stellte fest, dass man sich nicht zurücklehnen dürfe, auch wenn die Wirtschaftskriminalität rein statistisch gesehen zurückgehe. Entscheidend sei immer, wie hoch der Einsatz des Staates, der Sicherheitsbehörden und Staatsanwaltschaften sei, um dieses Phänomen weiter zu bekämpfen. Obgleich die Wirtschaftskriminalität auch in Zukunft eine große Bedeutung für die Kriminalitätslage in Deutschland habe, wies Herr Ziercke letztlich darauf hin, dass Deutschland zu den sichersten Ländern der Welt gehöre.

In der sich anschließenden Talkrunde, die von Herrn Siegfried Bauer, Leiter der Wirtschaftsredaktion der Südwest Presse, moderiert wurde, setzten sich vier Praktiker mit dem Thema „Wirtschaftskriminalität in der Unternehmenspraxis“ auseinander. Neben Herrn Ziercke standen Herr Dr. Stefan Heißner, der mit den Erfahrungen aus 15 Jahren Polizeidienst heute als Lead Partner für Deutschland und Zentraleuropa im Bereich Fraud Investigation & Dispute Services für Ernst & Young tätig ist, und Herr Rechtsanwalt Martin Welker, Leiter der Rechtsabteilung der Andreas Stihl AG & Co. KG, verantwortlich insbesondere für die Bekämpfung der Produkt- und Markenpiraterie, Rede und Antwort. Herr Oberstaatsanwalt a.D. Dr. Claus-Peter Wulff, Mitglied der Abschlussprüferaufsichtskommission, der sich seit nahezu vierzig Jahren mit der Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität beschäftigt, vervollständigte die Gesprächsrunde. Diskutiert wurde, dass Kriminalität in den meisten Fällen ein gesamtgesellschaftliches Problem darstelle. Demzufolge müsse die Kriminalitätsbekämpfung bzw. -prävention ebenfalls als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden werden. Um sich vor neuen Kriminalitätsphänomenen weitgehend schützen zu können, so Herr Dr. Heißner, sei es wichtig, sich die möglichen Bedrohungsszenarien vor Augen zu führen, um sich entsprechend positionieren und organisieren zu können. Herr Dr. Wulff berichtete, dass Unternehmen, sobald sie einen durch Wirtschaftskriminalität verursachten Schaden erlitten hätten, daraus sehr schnell Lehren zögen. Ein weiterer Aspekt, der im Verlauf der Talkrunde erörtert wurde, betrifft die zunehmende Produkt- und Markenpiraterie in der Unternehmenspraxis. Herr Welker bekräftigte, dass Unternehmen bereits in einem frühen Stadium konsequent eingreifen müssten. Um große wirtschaftliche Schäden zu vermeiden, sollten Unternehmen deshalb gewerbliche Schutzrechte für ihre Produkte erwerben und von ihnen entwickelte Techniken durch Patente schützen lassen.

In der Kaffeepause bot sich den Teilnehmern eine erste Möglichkeit zu einem persönlichen Gespräch mit den Referenten. Darüber hinaus konnten die Besucher die Gelegenheit nutzen, sich an den im Foyer aufgebauten Ständen zu informieren.

Der zweite Vortragsblock begann mit den Ausführungen von Herrn Ministerialrat FAStR Dr. Christoph Ernst, Leiter des Referats Rechnungslegung, Publizität, Recht der Abschlussprüfung im Bundesministerium der Justiz. Er befasste sich mit den Auswirkungen des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) für den deutschen Mittelstand, das unter anderem eine Befreiung von Buchführungs- und Bilanzierungspflichten für Kleinstunternehmen sowie Erleichterungen bei der Bilanzierung und Offenlegung kleiner Kapitalgesellschaften vorsieht. Herr Dr. Ernst hob hervor, dass insbesondere die mittelständischen Unternehmen eine große Abneigung gegenüber der Anwendung der internationalen Rechnungslegungsstandards IFRS hätten, sodass der deutsche Gesetzgeber mit dem durch das BilMoG modernisierte Handelsgesetzbuch eine echte Alternative schaffen könne. Eine Verabschiedung des BilMoG wird, so Herr Dr. Ernst, noch im Jahr 2008 angestrebt. Der Referent verdeutlichte dem Auditorium, dass das BilMoG keinen Paradigmenwechsel in dem Sinne einleite, „dass wir alles über Bord schmeißen, was bisher im deutschen Bilanzrecht gut und teuer war.“

Den Abschluss der interessanten und aufschlussreichen UFW-Fachtagung bildete der Vortrag von Herrn Professor Dr. Axel von Werder, Inhaber des Lehrstuhls für Organisation und Unternehmensführung an der Technischen Universität Berlin. Er thematisierte die aktuellen Entwicklungen in der Corporate Governance unter Berücksichtigung der Belange mittelständischer Unternehmen. Im Vergleich zu früher habe die Thematik der Corporate Governance inzwischen einen neuen Stellenwert eingenommen und wesentlich an Bedeutung gewonnen. Grund hierfür seien zum einen Fälle von Missmanagement und zum anderen die Globalisierung der Kapitalmärkte, so von Werder. Weiterhin ging Herr Professor von Werder auf die Akzeptanz des Deutschen Corporate Governance Kodex in der Praxis, die aktuellen Themen in der Corporate Governance-Diskussion sowie die daraus resultierenden Implikationen für den Mittelstand ein.

Die Vortragsveranstaltung endete mit einem geselligen Beisammensein am reichhaltigen Buffet, bei dem letzte Fragen zwischen den Teilnehmern und den Referenten geklärt sowie neue Kontakte geknüpft werden konnten.

Dank der Hilfe bei der Organisation und Durchführung der Veranstaltung durch zahlreiche Studierende der Universität Ulm sowie der finanziellen Unterstützung seitens der Sponsoren des Ulmer Forums für Wirtschaftswissenschaften ist es Herrn Professor Dr. Kai-Uwe Marten und seinen Mitarbeitern gelungen, den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis mit einem hochkarätigen Referententeam weiter zu intensivieren.