Fachtagung 2017

Kreative Suchfelder in Forschung und Entwicklung
Fachtagung des UFW zur Digitalisierung in der Automobilindustrie

Fachtagung 2017

 

 

 

 

 

Referenten, Moderatoren und Teilnehmer
der UFW-Jahrestagung (siehe Textende)

Mitarbeiter in der Denkfabrik, neue Konkurrenten und vernetzte Fahrzeuge. In diesem Spannungsfeld bewegt sich ein Automobilzulieferer wie die ZF Friedrichshafen AG beim Thema Digitalisierung. Zur diesjährigen Fachtagung des Ulmer Forums für Wirtschafts-wissenschaften (UFW) kam mit Dr. Harald Naunheimer, Senior Vice President und Leiter der Forschung und Entwicklung bei ZF, ein ausgewiesener Praktiker auf diesem Gebiet an die Universität Ulm.

Organisiert wurde die Tagung zum Thema „Disruptive Veränderungen in der Automobilindustrie – Fokus Digitalisierung“ von Professorin Brigitte Zürn. Naunheimer vertrat als Keynote-Speaker souverän den ZF- Vorstandsvorsitzenden Dr. Stefan Sommer, der kurzfristig verhindert war.

In der Forschung und Entwicklung als Querschnittsbereich bricht sich die Digitalisierung mit ungeahnter Geschwindigkeit Bahn und verändert alle Prozesse. Das spürt auch ein Unternehmenskonzern wie ZF mit rund 137.000 Mitarbeitern weltweit und einem Jahresumsatz von 35,2 Milliarden Euro. Vor rund 150 Zuhörern im Multimediaraum des Forschungsgebäudes N27 erläuterte Naunheimer die Zukunftsstrategie, mit der ZF auf die globalen Herausforderungen reagiert hat: Effizienz, Autonomes Fahren und Sicherheit sind hier als Trendthemen festgeschrieben. Aus diesem Grund hat ZF unter anderem einen eigenen Konzernbereich E-Mobility gegründet und beteiligt sich mit „Zukunft Ventures“ an Start-Ups. „Wir müssen uns verändern, der Wandel ist in der Industrie angekommen“, fasste Naunheimer die Herausforderungen zusammen.

Diskussion

In der anschließenden Diskussions-runde, geleitet von Professor Kai-Uwe Marten, Leiter des Instituts für Rechnungswesen und Wirtschafts-prüfung sowie Professor Mischa Seiter vom Institut für Technologie- und Prozessmanagement, äußerte sich Naunheimer unter anderem auch zu den Anforderungen an Absolventen. Neben einem guten Grundlagen-wissen als Basis sieht er Chancen für eine „hybride Ausbildung“. Durch die Digitalisierung wachse der Bedarf an neuen Fachleuten in Querschnitts-bereichen von Informatik, Mathematik und Wirtschafts-wissenschaften. „Hochschulen sollten ähnlich wie Start-Ups handeln und viel mehr ausprobieren“, so der Appell des promovierten Maschinenbauingenieurs. Ein Ruf, der Ulm nicht ungehört verhallt: an der School of Advanced Professional Studies (SAPS) bietet die Universität Ulm als eine der wenigen deutschen Hochschulen bereits solche berufsbegleitende Master-Studiengänge in Digitalen Technologien an.

Fotos: Elvira Eberhardt/kiz

Text und Medienkontakt: Daniela Stang

Bildinformation zum Gruppenbild (Foto: Elvira Eberhardt/kiz): Prof. Mischa Seiter, Prof. Klaus Dietmayer, Universitätspräsident
Prof. Michael Weber, Prof. Brigitte Zürn, Dr. Harald Naunheimer, Prof. Kai-Uwe Marten (v.l.)

Fachtagung 2016

Von ‚Data-Analysten‘, Datenschätzen und der digitalen Zukunft
UFW-Fachtagung im Zeichen von Big Data und Industrie 4.0

Fachtagung 2016

 

 

 

 

 

Referenten, Moderatoren und Teilnehmer
der UFW-Jahrestagung (siehe Textende)

„Geben Sie Ihre Daten frei und lassen Sie andere kreativ damit arbeiten!“, lautete der provokante Appell von Dr. Dirk Hecker. Der Geschäftsführer der Fraunhofer-Allianz Big Data war als Hauptredner zu Gast bei der Fachtagung des Ulmer Forums für Wirtschaftswissenschaften (UFW e.V.) an der Universität Ulm. Mit dieser jährlichen Veranstaltung – organisiert von Professor Kai-Uwe Marten, dem Leiter des Instituts für Rechnungswesen und Wirtschaftsprüfung sowie der UFW-Vorstandsvorsitzenden Professorin Brigitte Zürn – tritt das UFW mit Unternehmern aus der Region in Dialog.

Marten

Vor 170 Gästen, darunter sowohl Praktiker als auch Studierende, sprach der Informatiker Hecker zu den Herausforderungen und Chancen von Industrie 4.0 und Big Data. Viele kleinere und mittlere Unternehmen fühlten sich dadurch unter Druck gesetzt, weil sie einerseits ahnten, welches Potential die Digitalisierung von Unternehmensprozessen für die Optimierung von Produktionsprozessen und die Effizienzsteigerung habe, andererseits bei der Umsetzung zahlreiche Hindernisse auftreten. Diese reichten von fehlenden Best-Practice-Beispielen über unklare Datenschutzregelungen bis hin zu den fehlenden Fachkräften. Ein weiteres Problem: „Alle reden über Big Data‘ und ‚Industrie 4.0‘, aber jeder versteht darunter etwas anderes“, so Hecker. Im Sinne der Fraunhofer-Allianz definiert der Big-Data-Experte den Begriff über drei Merkmale und damit verbundene Herausforderungen. Dazu zählte er neben dem riesigen Volumen der Daten deren Unterstrukturiertheit und die Schnelligkeit, mit der neue Daten entstehen. Bei dem Begriff Industrie 4.0 geht es hingegen speziell um die Digitalisierung von Unternehmensprozessen

Neue Geschäftsmodelle durch „Big Data“

HeckerAls Vertreter einer stark anwendungsorientierten Forschungseinrichtung rief der Datenforscher die Zuhörer auf, die Chancen zu ergreifen, die Big Data für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und Produkte biete. Großunternehmen wie Rolls Royce praktizierten „Industrie 4.0“ beispielsweise zur proaktiven Wartung ihrer sensorbestückten Flugzeugtriebwerke, wodurch nicht nur die Triebwerkslaufzeiten erhöht werden konnten, sondern auch neue Geschäftsmodelle geschaffen wurden. Über ein „power by the hour“-Konzept verleast der Konzern die reine Antriebsleistung, anstatt die Technik zu verkaufen. Ein eher spielerisches Beispiel kam aus dem Sport. So rechnet Dr. Dirk Hecker fest damit, dass bereits bei der nächsten Fußball-WM die Bandenwerbung mit virtuellen Inhalten bespielt wird, die sich von Land zu Land unterscheiden und möglichweise sogar persönlich auf bestimmte Konsumentengruppen zugeschnitten sind.

Überhaupt sei vielen nicht bewusst, welch kostbare Datenschätze weltweit noch zu heben seien. „Konzerne wie Google, Apple und Facebook haben das längst erkannt, doch in Deutschland drohe man diese Entwicklung zu verschlafen“, warnt Hecker. Ein großes Wettbewerbshindernis sei dabei der Fachkräftemangel. Mit dem Data Scientist etabliere sich ein neues Berufsbild, das schon jetzt extrem nachgefragt sei. Gefragt seien in den Betrieben auch Positionen, die als Chief Data Officer die Datenverantwortung trügen sowie qualifikationsübergreifende Data Scientist Teams aus Analysten und Datenschutzexperten. „Glauben Sie mir! Der ‚Data Scientist‘ ist der ’sexiest job‘ dieses Jahrhunderts“, meint Hecker. Doch auch für „Industrie 4.0“-Spezialisten aus den Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften seien die Arbeitsmarktchancen bestens.

Die Universität Ulm liefert Fachkräfte für die Herausforderungen der digitalen Zukunft

Dass die Universität Ulm bei der Bereitstellung von qualifizierten Fachkräften eine Schlüsselrolle spielt, hatte bei der Begrüßung bereits Universitätspräsident Professor Michael Weber betont. So biete die School of Advanced Professional Studien (SAPS) mit dem berufsbegleitenden Studiengang „Business Analytics“ einschlägige Fortbildungsmöglichkeiten für Wirtschaftswissenschaftler und Ingenieure, die sich auf diesem zukunftsweisenden Gebiet fortbilden wollten. Und auch in der Forschung zu den Herausforderungen von Big Data oder Industrie 4.0 ist die Universität mit ihren Fachbereichen bestens aufgestellt. „Themengebiete wie ‚Data Analytics‘ können nur im erfolgreichen Zusammenspiel von Informatikern, Ingenieuren und Wirtschaftswissenschaftlern erfolgreich beforscht werden“, so der Medieninformatiker Weber. Und schon jetzt profiliere sich die Uni mit Forschungsschwerpunkten wie der Mensch-Maschine-Interaktion und dem Automatisierten Fahren, in denen Bereiche wie Cognitive-Computing, Sensorik und Prozessmanagement zusammengeführt werden.

Die Fachtagung läuft in diesem Jahr in einem komplett überarbeiteten Format

Neu aufgelegt wurde die diesjährige Veranstaltung in einem komplett überarbeiteten Format. So wurden im Anschluss an den Hauptvortrag drei vertiefende Gesprächskreise angeboten. Im Fachgespräch I wurden Aspekte von Industrie 4.0 und Big Data im Kontext von Bereichen wie Produktion und Vertrieb thematisiert. Geladen hierzu waren insbesondere Unternehmensvertreter, die nach den Impulsreferaten von Martin Sieringhaus von Voith Digital Solution und Tilo Klüh von der Firma MHP, einer zu Porsche gehörenden Management- und IT-Beratungsgesellschaft.

An Wirtschafsprüfer, Steuerberater, Unternehmensberater und Rechtsanwälte richtete sich Fachgespräch II, das von Dr. Klaus-Peter Feld vom Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V. sowie dem Rechtsanwalt, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Professor Jens Poll bestritten wurde. Hierbei ging es um die jeweiligen berufsspezifischen Herausforderungen, die sich für die unterschiedlichen Berufsgruppen mit Fragen rund um das Thema Industrie 4.0 ergeben.Andres-Gayon

Fachgespräch III, geführt von Claudia de Andrés-Gayón von der Deutschen Bahn AG und Professor Mischa Seiter von der Universität Ulm, richtete sich vor allem Hochschulvertreter als auch an Unternehmen, hier insbesondere aus dem Bereich Personalwesen. Im Mittelpunkt standen hierbei Fragen der Fachkräftesicherung und Hochschulausbildung.

Das 2004 gegründete UFW, das sich die Vernetzung von Wissenschaftlern, Unternehmern und Nachwuchsforschern auf die Fahnen geschrieben hat, engagiert sich vor allem auf dem Gebiet der Rechnungslegung, Wirtschafts- und Steuerprüfung.

Fotos: Rosa Grass

Text und Medienkontakt: Andrea Weber-Tuckermann

Bildinformation zum Gruppenbild (Foto: Rosa Grass): Vordere Reihe (v.l.): Dr. Klaus-Peter Feld, Prof. Dr. Nicole Ratzinger-Sakel, Claudia de Andrés-Gayón, Prof. Dr.  Brigitte Zürn, Dr. Dirk Hecker, Prof. Dr. Jens Poll; Hintere Reihe (v.l.): Prof. Dr. Mischa Seiter, Prof. Dr. Kai-Uwe Marten, Prof. Dr. Leo Brecht, Martin Sieringhaus, Tilo Klüh

Fachtagung 2015

UFW-Fachtagung mit Prof. Ann-Kristin Achleitner
Corporate Governance Kodex: Papiertiger oder Unternehmens-Knigge?

(v.l.n.r.): Prof. Kai-Uwe Marten, Universitätspräsident Prof. Michael Weber, Prof. Jens-Hinrich Binder, Prof. Ann-Kristin Achleitner, Moderator Georg Giersberg (FAZ), Dr. Claudia Nagel (Nagel & Company GmbH), Bernhard Simon (Dachser SE), Prof. Annette Köhler und Prof. Jens Poll

(v.l.n.r.): Prof. Kai-Uwe Marten, Universitätspräsident Prof. Michael Weber, Prof. Jens-Hinrich Binder, Prof. Ann-Kristin Achleitner, Moderator Georg Giersberg (FAZ), Dr. Claudia Nagel (Nagel & Company GmbH), Bernhard Simon (Dachser SE), Prof. Annette Köhler und Prof. Jens Poll

Siemens, Deutsche Bank und zuletzt Volkswagen: In Zusammenhang mit Skandalen dieser Unternehmen hat es der Corporate Governance Kodex immer wieder in die Schlagzeilen geschafft. Am Freitag stand der Kodex, in dem Grundsätze und Empfehlungen guter Unternehmensführung zusammengefasst sind, im Mittelpunkt der Fachtagung des Ulmer Forums für Wirtschaftswissenschaften (UFW). Den Organisatoren um die UFW-Vorstandsvorsitzende Professorin Brigitte Zürn war es wieder einmal gelungen, hochkarätige Referenten aus Wissenschaft und Wirtschaft zu gewinnen – allen voran Professorin Ann-Kristin Achleitner, Inhaberin des Lehrstuhls für Entrepreneurial Finance an der TU München. Die promovierte Ökonomin und Juristin ist Mitglied der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex sowie verschiedener Aufsichtsräte (unter anderem Linde AG, Metro AG, Suez GDF).

Achleitner fragte in ihrem Keynote-Vortrag: „Brauchen Unternehmen eine Kommission und einen Kodex zur Corporate Governance?“ Zunächst definierte die Professorin das Konzept „Corporate Governance“, das die Rahmenordnung der Leitung und Überwachung von Unternehmen umfasst. Die Notwendigkeit, einen entsprechenden Kodex zu erstellen, wurde in den 90-er Jahren offenbar, als sich die Bundesrepublik ausländischen Investoren öffnete: „Diese Investoren sahen außer dem Aktiengesetz keine klaren Regelungen, deutsche Unternehmen waren für sie eine ,Blackbox‘“, verdeutlichte die Ökonomin. So sei 2001 eine Regierungskommission nach angelsächsischem Vorbild eingesetzt worden, die ein Jahr später den Deutschen Corporate Governance Kodex vorgelegt habe. Kern sei in Deutschland das Aktiengesetz, ergänzt durch Verhaltensrichtlinien. Die enthaltenen Regeln und Empfehlungen sind keineswegs starr, sondern werden jährlich von der Kommission im Dialog mit Politik, Unternehmen und Öffentlichkeit überprüft und gegebenenfalls ergänzt. Zudem erörterte die Ökonomin das Prinzip „Comply or Explain“ („Einhalten oder Erklären“): Corporate Governance-Regeln sollen befolgt werden, doch begründete Abweichungen sind erlaubt, sofern sie der guten Unternehmensführung dienen.

Insgesamt stellt Professorin Achleitner dem Kodex ein gutes Zeugnis aus: Der Grundanspruch, ausländischen Investoren deutsche Unternehmensführung nahe zu bringen, sei erfüllt und 97 Prozent der DAX-Unternehmen hielten sich an diese Empfehlungen. Sie ging aber auch auf Kritik am Kodex und an der Kommission ein, der sie seit 2012 angehört. Dabei fielen auch Schlagworte wie „Frauenquote“ und „Vorstandsgehälter“. Die Ökonomin räumte zudem ein, dass das Regelwerk auf DAX-Unternehmen ausgelegt sei und Mittelständler in seiner Fülle womöglich überfordere. Seit 2004 gebe es aber einen eigenen Governance-Kodex für Familienunternehmen.

Paneldiskussion mit Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft

An der anschließenden Paneldiskussion, moderiert vom FAZ-Wirtschaftsredakteur Georg Giersberg, nahmen neben Achleitner weitere Experten aus den Rechts- und Wirtschaftswissenschaften sowie Unternehmensvertreter teil. Auf die Frage, warum es auch noch 13 Jahre nach Veröffentlichung des Corporate Governance Kodex zu Enthüllungen wie jüngst bei Volkswagen komme, waren sich die Juristen Professor Jens Poll und Professor Jens-Hinrich Binder (Universität Tübingen) relativ einig: An aktuellen Skandalen seien nicht die Regeln schuld, sondern ihre mangelnde Einhaltung. Corporate Governance-Richtlinien müssten im Unternehmen verankert und gelebt werden. Dr. Claudia Nagel, Geschäftsführerin der Nagel & Company GmbH, sieht in dem Kodex ein Regelwerk, das opportunistisches Verhalten eindämmen soll. „Doch Regeln haben Grenzen. Der Rest ist Anstand und die Auswahl der richtigen Personen“, ergänzte Professorin Annette Köhler, Inhaberin des Lehrstuhls für Rechnungswesen, Wirtschaftsprüfung und Controlling an der Universität Duisburg-Essen. Aus Sicht eines Familienunternehmens beteiligte sich zudem Bernhard Simon, Hauptgesellschafter und CEO der Dachser SE, an der regen Diskussion.

Rund 120 Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Vertreter aus dem Banken- und Versicherungswesen und von Unternehmen sowie Studierende hatten sich zur Fachtagung angemeldet. In seinem Grußwort erinnerte der stellvertretende UFW-Vorsitzende, Dr. Roland Wiese, an frühere, ebenfalls hochkarätig besetzte Veranstaltungen mit Finanzminister Dr. Wolfgang Schäuble, dem ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Edmund Stoiber oder etwa Walter Kardinal Kasper. Weitere Ansprachen kamen vom Universitätspräsidenten Professor Michael Weber und von Professor Kai-Uwe Marten, Leiter des Instituts für Rechnungswesen und Wirtschaftsprüfung. Marten, dessen Institut sich regelmäßig an der Organisation der Fachtagung beteiligt, hatte eingangs gesagt: „Mit der UFW-Tagung versuchen wir, Unternehmensvertreter aus der Region anzusprechen und aktuelle Themen für Studierende anzubieten.“ Dieses Ziel haben die Wirtschaftswissenschaftler in jedem Fall übertroffen.

Quelle: Internetplatform der Univeristät Ulm (https://www.uni-ulm.de/home2/presse/pressemitteilung/article/ufw-fachtagung-mit-prof-ann-kristin-achleitnerbrcorporate-governance-kodex-papiertiger-oder-unte.html)
Text und Medienkontakt: Annika Bingmann

10-Jahresfeier des UFW

Seit zehn Jahren fördert das Ulmer Forum für Wirtschaftswissenschaften (UFW) den erfolgreichen „Dialog zwischen Wissenschaft und Wirtschaft“. Am Freitag schenkte sich das UFW unter genau diesem Titel eine Podiumsdiskussion zur Jubiläumsfeier an der Universität. Die Vorstandsvorsitzende Professorin Brigitte Zürn nutzte die Gelegenheit, um auf eine ereignisreiche Dekade zurückzublicken: „Den ersten Anstoß für die Gründung des UFW gab die Einrichtung des Studienganges Wirtschaftswissenschaften an der Uni Ulm im Wintersemester 1999/2000. Den Grundstein legte schließlich die Berufung von Professor Kai-Uwe Marten, Direktor des Instituts für Wirtschaftsprüfung und Rechnungslegung“, sagte die Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin, die auch Honorarprofessorin an der Uni Ulm ist. Heute intensiviere das Forum nicht nur den wissenschaftlichen und beruflichen Kontakt zwischen Uni-Angehörigen sowie Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern. Man unterstütze auch die Lehre an der Ulmer Fakultät ideell und finanziell.

An der Universität Ulm erinnert man sich vor allem an zehn Fachtagungen – teils mit so bekannten Rednern wie dem Bundesfinanzminister Dr. Wolfgang Schäuble, dem CSU-Politiker Dr. Edmund Stoiber sowie Jörg Ziercke, Präsident des Bundeskriminalamts. Dazu kommen Seminartage, Förderpreise, Deutschlandstipendien und natürlich die jährliche Spende an die Unibibliothek. Bei der Jubiläumsfeier durfte sich das Kommunikations- und Informationszentrum (kiz) der Uni über den zehnten Scheck à 10 000 Euro für wirtschaftswissenschaftliche Literatur freuen. Insgesamt konnte das UFW mittlerweile über eine Million Euro an Sponsoring- und sonstigen Einnahmen erzielen.

Podiumsdiskussion mit Wirtschaftsvertretern und Präsident

„Die Mission, Academia und Praxis zu verbinden, hat das UFW vorbildlich erfüllt. Es ist das Aushängeschild der Ulmer Wirtschaftswissenschaften – ohne UFW wäre der Studiengang weniger attraktiv“, sagte Universitätspräsident Professor Karl Joachim Ebeling bei der Jubiläumsfeier in seinem Grußwort. Der Ulmer Oberbürgermeister Ivo Gönner schloss sich diesem Lob an und bescheinigte dem Forum „eine große Strahlkraft in der Region.“ Dementsprechend hatten etliche bekannte Wirtschaftsvertreter aus Ulm und Umgebung auf dem Podium Platz genommen. Neben Ebeling – als Vertreter der Universität – waren Dr. Hubert Lienhard (Vorsitzender Konzerngeschäftsführung Voith AG), Hubert Deutsch (Geschäftsführer Liebherr-Werk Biberach) sowie der Vorstandsvorsitzende der Wieland-Werke Harald Kroener unter den Diskutanten. Die Runde wurde ergänzt durch den IHK-Präsidenten Dr. Peter Kulitz, den Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Ulm Manfred Oster, sowie Stefan Küpper, Geschäftsführer Südwestmetall Baden-Württemberg. Weiterhin nahm Professor Péter Horváth, Emeritus der Universität Stuttgart und Aufsichtsratsvorsitzender der Horváth AG, an der Diskussion teil. Anfang des Jahres hatte Horváth der Uni Ulm die Hälfte des „International Performance Research Institute“ (IPRI) übertragen und eine Professur im Bereich Betriebswirtschaftslehre gestiftet.
Mit Moderator Marc Herrmann (Radio 7) sprach die Runde über Erwartungen der Wirtschaft an Universitäten und deren Absolventen, berufliche Weiterbildung sowie die Attraktivität des Standorts Ulm.

Alle Teilnehmer stellten der hiesigen Universität ein gutes Zeugnis aus. Für die Zukunft wünschten sie sich einen noch engeren Austausch zwischen Hochschulen und Wirtschaft. Dazu wird das Ulmer Forum für Wirtschaftswissenschaften sicher seinen Beitrag leisten.

UFW-Fachtagung 2013

Am Freitag, den 3. Mai 2013, veranstaltete das Ulmer Forum für Wirtschaftswissenschaften (UFW) e.V. in Zusammenarbeit mit der Universität Ulm seine neunte Fachtagung. Zu diesem Anlass konnte mit Herrn Bundesfinanzminister Dr. Wolfgang Schäuble zum wiederholten Male ein hochkarätiger Redner gewonnen werden.  Vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Situation in Europa hielt Herr  Dr. Wolfgang Schäuble seinen Vortrag zu dem Thema „Gerüstet für das Zeitalter der Globalisierung – zur Bedeutung einer einheitlichen europäischen Finanz- und Wirtschaftspolitik für die Zukunft Europas“. An der Universität Ulm konnten hierzu über 1000 Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet begrüßt werden.

Nach einer kurzen Einführung durch Herrn Professor Dr. Kai-Uwe Marten, Direktor des Instituts für Rechnungswesen und Wirtschaftsprüfung, hieß der Präsident der Universität Ulm, Herr Professor Dr. Karl Joachim Ebeling, den Referenten und die Teilnehmer in Ulm herzlich willkommen. Die Vorstandsvorsitzende des UFW, Frau Professor Dr. Brigitte Zürn, präsentierte daraufhin der Zuhörerschaft den im März 2004 gegründeten Verein, welcher mittlerweile über 400 Mitglieder zählt.

Nach diesen einleitenden Worten stellte Herr Dr. Schäuble die Bedeutung einer einheitlichen europäischen Finanz- und Wirtschaftspolitik dar und ging in diesem Kontext insbesondere auf Fragestellungen der Globalisierung ein. Er stellte dabei heraus, dass ein starkes und wettbewerbsfähiges Europa vonnöten ist. Diesen Aspekt seines Vortrags arbeitete der Redner anhand der zu schaffenden institutionellen Rahmenbedingungen besonders heraus. Vor dem Hintergrund einer hohen Jugendarbeitslosigkeit in Europa wies er darauf hin, dass man innovationsfähig bleiben müsse und das Augenmerk auf nachhaltiges und qualitatives Wachstum lenken solle.

Einen Ausstieg aus dem Euro lehnte Herr Dr. Schäuble kategorisch ab. Zur Begründung führte er an, dass Deutschland  der europaweit stärkste Profiteur der neuen Einheitswährung ist. In diesem Zusammenhang ging er anschließend auf die Sparpolitik Griechenlands ein, die, so seine Ausführungen, eine Notwendigkeit sei und nicht aus gefühllosen Entscheidungen getroffen wurde. Den Eurobonds hingegen erklärte der CDU-Politiker eine klare Absage. So sei die notwendige Voraussetzung für eine solche Maßnahme zunächst die Einführung einer einheitlichen Finanz- und Wirtschaftspolitik. Herr Dr. Schäuble beendete seinen Vortrag mit der Aussage, dass es in seinen Augen nur über den Weg ökologischer Nachhaltigkeit möglich sei, eine leistungsfähige Wirtschaft aufzubauen und langfristige Erfolge zu gewährleisten.

Im direkten Anschluss an den Vortrag bestand für die Zuhörerschaft die Möglichkeit, unter der Moderation von Herrn Dipl.-Kfm. Georg Giersberg, Wirtschaftsredakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Fragen an Herrn Dr. Schäuble zu richten.

Die UFW-Fachtagung endete im Rahmen eines Imbisses im Neuen Forschungsgebäude der Universität Ulm. Dabei konnten noch offene Fragen zwischen den Teilnehmern diskutiert werden sowie neue Kontakte geknüpft und bereits bestehende gepflegt werden.

An dieser Stelle möchte sich das UFW für das positive Feedback aller Teilnehmer bedanken. Wir freuen uns bereits auf die Fachtagung – im zehnten Jahr des Vereinsbestehens – 2014.

UFW-Fachtagung 2012

Am 2. Mai 2012 veranstaltete das Ulmer Forum für Wirtschaftswissenschaften (UFW) e.V. in Zusammenarbeit mit der Universität Ulm seine inzwischen elfte Fachtagung zu aktuellen Fragestellungen der Rechnungslegung und Wirtschafts- prüfung und konnte hierzu rund 380 Praxisvertreter aus dem gesamten Bundesgebiet sowie Studierende der Universität Ulm begrüßen.
Herr Professor Dr. Kai-Uwe Marten, Direktor des Instituts für Rechnungs- wesen und Wirtschaftsprüfung, hieß die Teilnehmer und Referenten der UFW- Fachtagung in Ulm herzlich willkommen. Herrn Professor Dr. Ulrich Stadtmüller, Vizepräsident für Lehre, stellte im Anschluss die Universität Ulm sowie den Studiengang Wirtschaftswissenschaften vor. Die Vorsitzende des Vorstands des UFW, Frau Professor Dr. Brigitte Zürn präsentierte daraufhin den Teilnehmern der Fachtagung den im März 2004 gegründeten Verein, welcher mittlerweile über 400 Mitglieder zählt und stetig wächst.

Den Hauptteil der diesjährigen Fachtagung bildete eine Podiums- diskussion zum Thema „Abschluss- prüfung in Europa – Lehren aus der Krise“ unter der Moderation von Herrn Dipl.-Kfm. Georg Giersberg, Wirtschaftsredakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Zu den Teilnehmern gehörten Dr. Dr. h.c. Edmund Stoiber, ehemaliger bayerischer Ministerpräsident und jetziger Vorsitzender der High Level Group zur Entbürokratisierung bei der Europäischen Kommission, Professor Dr. Klaus-Peter Naumann, Sprecher des Vorstands des Instituts der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V. (IDW), sowie der neu gewählte Präsident der Wirtschaftsprüferkammer (WPK), Dr. Claus C. Securs. Zu Beginn diskutierte die prominente Runde, was die im Jahre 2008 ausgelöste weltweite Finanzkrise und die derzeitige europäische Schuldenkrise mit Fokus auf Griechenland gemein haben. Dabei nahm Herr Dr. Stoiber eine ganzheitliche Perspektive ein und berichtete von seinen Erfahrungen aus der EU-Arbeitsgruppe. „Der Glaube an die Allmacht des Staates ist viel zu groß“, betonte er wiederholt. Vor allem angesichts der Finanzkrise würden immer wieder neue Regelungen gefordert. Dabei hätte es allein im letzten Jahr 18.000 Rechtsbefehle aus Brüssel gegeben. Dazu kommen 3.000 weitere aus den EU-Mitgliedsstaaten. „Wir müssen lernen, mehr auf uns selbst zu vertrauen. Dann erreichen wir einen Bürokratieabbau“, sagte der Jurist. Herr Professor Naumann wendete ein, dass die Bürger bei Krisen neue Regeln fordern und bekundete dieselbe Meinung wie sein Vorredner, dass der Glaube der Menschen in die Allmacht des Staates zu groß sei. Die beiden hochrangigen Vertreter des Berufsstandes der Wirtschaftsprüfer, Herr Professor Naumann und Herr Dr. Securs, beleuchteten vor allem die Rolle ihrer Zunft während der Krise und diskutierten den möglichen Nutzen europaweiter Regularien. „Uns ist teilweise vorgeworfen worden, nicht rechtzeitig und eindringlich genug vor krisenhaften Entwicklungen gewarnt zu haben“, berichtete Herr Professor Naumann. Er glaube allerdings, dass der Berufsstand der Wirtschaftsprüfer eine steile Lernkurve absolviert habe.

Herr Dr. Securs verteidigte die derzeitige Rechnungslegung deutscher Unternehmen. Alle Bilanzen, auch die der kleineren Unternehmen und die des Mittelstandes, seien aussagekräftig, jedoch hätten die Medien eine sehr hohe Erwartungshaltung gegenüber der Arbeit der Abschlussprüfer. Wichtig seien einheitliche Prüfungsstandards, um Abschlussprüfungen in Europa vergleichen zu können. Eine neue Richtlinie in Bezug auf weitere Qualitätssicherungsmaßnahmen sei nicht zwingend erforderlich, da Deutschland in diesem Gebiet Vorreiter sei. Es sollte jedoch analysiert werden, was getan werden kann, um die Abschlussprüfung für ihre Adressaten wertvoller zu machen. Über den Bestätigungsvermerk hinaus erfolgt aber grundsätzlich keine Information der Öffentlichkeit über das Ergebnis der Abschlussprüfung. Die Aufgabe des Wirtschaftsprüfers ist nicht die Informationsweitergabe, sondern die Prüfung des Jahresabschlusses auf seine Richtigkeit. Ein weiteres Thema der Podiumsdiskussion war die Trennung von Prüfungs- und Beratungsleistungen. Laut Herrn Dr. Securs spricht grundsätzlich nichts dagegen, ein Unternehmen zu beraten und auch zu prüfen, solange die Beratung nicht prüfungsrelevante Bereiche betreffe. Er fordert darüber hinaus eine Gebührenordnung, da Prüfungshonorare in Relation mit dem notwendigen Aufwand teilweise nicht ausreichend seien. Herr Professor Naumann lehnt eine Gebührenordnung für die Abschlussprüfung dagegen ab; er fordert eine marktwirtschaftliche Vorgehensweise gegen den Preiskampf. Abschließend riet Herr Dr. Stoiber zu einer Zurückhaltung gegenüber neuen Regelungen, die oftmals ihre Wirkung verfehlen und plädierte für mehr Selbstregulierung.
Beim anschließenden Abendimbiss endete die diesjährige UFW-Fachtagung mit einem geselligen Beisammensein, bei dem noch offene Fragen zwischen den Teilnehmern und den Referenten geklärt sowie neue Kontakte geknüpft und bisherige gepflegt werden konnten.

UFW-Fachtagung 2011

Am 4. Mai 2011 veranstaltete das Ulmer Forum für Wirtschaftswissenschaften (UFW) e.V. in Zusammenarbeit mit der Universität Ulm seine zehnte Fachtagung zu aktuellen Fragestel-lungen der Rechnungslegung und der Wirtschaftsprüfung mit rund 300 Teilnehmern aus Praxis und Studium. Frau WP/StB Professor Dr. Brigitte Zürn, Vorsitzende des Vorstands des UFW, eröffnete die Fachtagung. Sodann erläuterte der erste Referent Herr Walter Kardinal Kasper, Kurienkardinal und ehemaliger Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, auf sehr tiefsinnige Weise die Herausforderungen, vor denen Europa heute steht. Für die historisch gewachsene Schicksalsgemeinschaft nannte er als größte Herausforderung die zurzeit vorherrschende Europamüdigkeit an. Der Fortbestand der europäischen Kultur ist dabei abhängig von einer neuen Wertschätzung der universalen Werte Europas.

Im Anschluss referierte Herr Jörg Ziercke, Präsident des Bundeskriminalamtes, zur Entwicklung der Wirtschaftskriminalität in Deutschland. Dabei betonte er die zunehmende Bedeutung des Tatmittels Internet und erläuterte unterschiedliche Phänomene des Cybercrime. Hierbei ging er auch auf die Schwierigkeiten ein, die sich durch die Verlagerung von Kriminalität in den virtuellen Raum für die Strafverfolgung ergeben. Internationale Verflechtungen sind mittels des Internet sehr leicht hergestellt, die internationale polizeiliche Zusammenarbeit kann mit dieser Geschwindigkeit jedoch nicht Schritt halten.

Den zweiten Teil der UFW-Fachtagung bildete eine Podiumsdiskussion unter Moderation von Herrn Dipl.-Kfm. Georg Giersberg, Wirtschaftsredakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Hierbei setzten sich hochrangige Vertreter mit dem Thema „Compliance-Management in mittelständischen Unternehmen?“ auseinander. Die Teilnehmer diskutierten angeregt und mitunter kontrovers über verschiedene Ansätze zur Förderung von regelgetreuem Verhalten. Als nicht zielführend wurden einstimmig die zunehmend detaillierteren Regelungen kritisiert, die zudem international nicht einheitlich gestaltet sind. Klar wurde jedoch, dass ohne eine Verankerung der entsprechenden Werte in der Gesellschaft auch kein korrektes Verhalten in der Wirtschaft erwartet werden kann. Zudem verdeutlichte die Talkrunde die Problematik, eine Balance zwischen einer Regulierung des Verhaltens durch Gesetze und dem Vertrauen in die Unternehmen zu finden.

Beim anschließenden Abendimbiss mit kaltem Buffet endete die diesjährige UFW-Fachtagung mit einem geselligen Beisammensein, bei dem noch offene Fragen zwischen den Teilnehmern und den Referenten geklärt sowie neue Kontakte geknüpft und bisherige gepflegt werden konnten.

UFW-Fachtagung 2010

Am 5. Mai 2010 veranstaltete das Ulmer Forum für Wirtschaftswissenschaften (UFW) e.V. in Zusammenarbeit mit der Universität Ulm seine neunte Fachtagung, in diesem Jahr zu aktuellen Fragestellungen des Steuerrechts, und konnte hierzu mehr als 300 Praxisvertreter aus dem gesamten Bundesgebiet sowie Studierende der Universität Ulm begrüßen.

Frau WP/StB Professor Dr. Brigitte Zürn, Vorsitzende des Vorstands des UFW, hieß die Teilnehmer und Referenten der UFW-Fachtagung in Ulm willkommen. Herr Professor Dr. Ulrich Stadtmüller, Vizepräsident für Lehre der Universität Ulm, eröffnete die Veranstaltung mit einem kurzen Überblick über die anstehenden Herausforderungen und Chancen für die Universität Ulm. Dabei bezog er sich neben dem Ausbau des Forschungsstandorts und der Fortentwicklung der Bachelor- und Masterstruktur auch auf die Maßnahmen für den im Jahr 2012 anstehenden doppelten Abiturjahrgang in Baden-Württemberg. Anschließend blickte Frau Professor Zürn auf die erfolgreiche Entwicklung des Vereins zurück, der mittlerweile über 300 Mitglieder zählt und mit einem hohen einstelligen Prozentsatz wächst.

Dem UFW gelang es in diesem Jahr wiederholt, ein hochkarätiges Referententeam zu gewinnen. Herr Professor Dr. Bernd Raffelhüschen, Direktor des Forschungszentrums für Generationenverträge an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, eröffnete die Vortragsreihe mit einem Beitrag zur Nachhaltigkeit der sozialen Sicherung in Deutschland. Im Anschluss referierte Herr Dr. h.c. Wolfgang Spindler, Präsident des Bundesfinanzhofs, zum Vertrauensschutz im Steuerrecht.

 

Den zweiten Teil der interessanten und gleichsam unterhaltsamen UFW-Fachtagung bildete eine Podiumsdiskussion unter Moderation von Herrn Dipl.-Kfm. Georg Giersberg, Wirtschaftsredakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Hierbei setzten sich hochrangige Vertreter mit dem Thema „Elemente eines gerechteren und transparenteren Steuersystems“ auseinander. Zunächst ging Herr Professor Dr. Dieter Truxius, Geschäftsführer Finance, Legal und Tax der Dachser GmbH & Co. KG, auf die Problematik einer zu hohen Komplexität im Steuerrecht ein und stellte Vorschläge zur Vereinfachung des Steuersystems aus Sicht der Praxis vor. Ihm folgte der geschäftsführende Direktor des International Tax Institute an der Universität Hamburg, Herr Professor Dr. Dietmar Wellisch, der anhand einer Reihe von Beispielen verdeutlichte, dass zum Schutz der Verlässlichkeit des Steuerrechts komplexe Sonderregelungen in einem gewissen Rahmen erforderlich sind. Herr Dr. h.c. Wolfgang Spindler thematisierte anschließend den Einfluss verfassungsrechtlicher Vorgaben auf die steuerrechtliche Gesetzgebung. Im Anschluss an diese Statements diskutierten die Teilnehmer koordiniert durch Herrn Giersberg angeregt über verschiedene Aspekte zur Anpassung des bestehenden Steuersystems, der Steuermoral in Deutschland und dem Zielkonflikt zwischen komplexen Einzelfallregelungen und der praktischen Anwendbarkeit des Steuerrechts vor dem Hintergrund der Gerechtigkeit.

Beim anschließenden Abendimbiss mit kaltem Buffet endete die diesjährige UFW-Fachtagung mit einem geselligen Beisammensein, bei dem noch offene Fragen zwischen den Teilnehmern und den Referenten geklärt sowie neue Kontakte geknüpft und bisherige gepflegt werden konnten.

UFW-Fachtagung 2009

Am 6. Mai 2009 veranstaltete das Ulmer Forum für Wirtschaftswissenschaften (UFW) e.V., das sich die Förderung von Wissenschaft, Hochschulausbildung und Praxis zum Ziel gesetzt hat, in Kooperation mit der Universität Ulm zum achten Mal seine Fachtagung zu aktuellen Themen der Rechungslegung und der Wirtschaftsprüfung. In diesem Rahmen konnte das UFW auch dieses Jahr rund 200 Manager mittelständischer Unternehmen, Vertreter von Kreditinstituten, Wirtschaftsprüfer, Steuer- und Unternehmensberater aus dem gesamten Bundesgebiet sowie zahlreiche Studierende an der Universität Ulm willkommen heißen.

Im Anschluss an die Grußworte von Herrn Professor Dr. Hans-Joachim Zwiesler, vom Institut für Versicherungswissenschaften, an die Teilnehmer und die Referenten der Fachtagung stellte der Präsident der Universität Ulm, Herr Professor Dr. Karl Joachim Ebeling, die Entwicklung des Studiengangs Wirtschaftswissenschaften am Universitätsstandort Ulm dar. Hierzu zählen unter anderem die Gründung des Instituts für Technologie- und Prozessmanagement und die Erweiterung des Lehrangebots durch neu eingerichtete Professuren. Darüber hinaus appellierte Herr Professor Ebeling an die Verantwortung der Wissenschaft, moralische und ethische Aspekte in Entscheidungsprozesse einzubeziehen, um Entwicklungen wie in der gegenwärtige Wirtschafts- und Bankenkrise zu unterbinden. Eine zusätzliche Entwicklung der Fakultät für Mathematik und Wirtschaftswissenschaften bildet die von Herrn Professor Dr. Kai-Uwe Marten vorgestellte und bislang deutschlandweit einmalige Akkreditierung eines Bachelorstudiengangs Wirtschaftswissenschaften nach § 13b WPO, die ermöglicht, dass Studierende studienbegleitend Prüfungsleistungen ablegen, die auf das Wirtschaftsprüferexamen anrechenbar sind. Anschließend blickte Frau WP/StB Professor Dr. Brigitte Zürn, Vorsitzende des Vorstands des UFW, auf die erfolgreiche Entwicklung des Vereins zurück, der mittlerweile über 300 Mitglieder zählt und berichtete über den UFW-Förderpreis, der im Herbst 2008 zum zweiten Mal in Kooperation mit der Südwest Presse Ulm an die beiden besten Diplo-manden der Fakultät für Mathematik und Wirtschaftswissenschaften verliehen wurde.

Die Vortragsreihe selbst wurde von Herrn Ministerialrat FAStR Dr. Christoph Ernst, Leiter des Referats Rechnungslegung, Publizität, Recht der Abschlussprüfung im Bundesministerium der Justiz, Berlin, eröffnet, der zum jüngst verabschiedeten Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) referierte. Infolge der gegenüber der Entwurfsfassung vorgenommenen Änderungen betonte Herr Dr. Ernst, dass das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz in seiner derzeitigen Fassung abschließend vollendet sei und lediglich die Unterzeichung der Bundeskanzlerin und des Bundespräsidenten noch ausstünde. Den Schwerpunkt des BilMoG bilde die Verbesserung des Informationswerts für den Bilanzadressaten sowie die Anpassung des deut-schen Bilanzrechts an internationale Entwicklungen. Darüber hinaus würden kleine und mittlere Unternehmen von überflüssigem Bilanzierungsaufwand entlastet und verbesserte Kapitalaufnahmemöglichkeiten geschaffen. Nach den Ausführungen von Herrn Dr. Ernst wurden Änderungen gegenüber dem Gesetzesentwurf nur in wenigen Fällen vorgenommen. Dies betrifft insbesondere die Revidierung der Aktivierungspflicht bei latenten Steuern sowie bei immateriellen Vermögensgegenständen, wenngleich Herr Dr. Ernst in der Wiederaufnahme des Aktivierungswahlrechts einen Bruch mit der Konzeption des Gesetzes sieht. Allerdings hätten die fehlende Greifbarkeit immaterieller Vermögensgegenstände und das daraus entstehende Misstrauen in eine Aktivierung zu diesem Ergebnis geführt. Infolge der Finanzmarktkrise standen zudem die Konsolidierung von Zweckgesellschaften sowie das Konzept des Fair-Value im Mittelpunkt der Diskussion. Im Hinblick auf Zweckgesellschaften sollten diese, nach Aussage von Herrn Dr. Ernst, immer dann in den Konsolidierungkreis einbezogen werden, wenn das Mutterunternehmen die Mehrheit der Chancen und Risiken an der Zweckgesellschaft trägt. Dies treffe auch dann zu, wenn Kriterien wie bspw. die einheitliche Leitung nicht erfüllt bzw. umgangen würden. Des Weiteren ging Herr Dr. Ernst auch auf die Streichung der Fair-Value Bewertung von zu Handelszwecken gehaltenen Finanzinstrumenten ein und thematisierte die beibehaltenen Änderungen des Gesetzesentwurfs. Abschließend stellte sich Herr Dr. Ernst den Rückfragen des Auditoriums.

Als zweiter Referent erläuterte Herr RA Jürgen Tiedje, Referatsleiter für den Bereich Revisi-on der EU-Kommission, die Stärkung der Prüfungsqualität durch die 8. EU-Richtlinie und analysierte die derzeitige Situation am Markt der Pflichtprüfer. Einleitend betonte Herr Tiedje, dass Wirtschaftsprüfer im öffentlichen Interesse handeln, zum öffentlichen Vertrauen beitragen müssen und ihr Markt in beträchtlichem Maße der Globalisierung unterliege. Daher seien die Anhebung der Prüfungsqualität sowie die Unabhängigkeit des Prüfers von besonderer Bedeutung. Die so genannte Abschlussprüferrichtlinie habe, infolge der internationalen Geschäftsbeziehungen des Berufsstandes, zum Ziel, eine Angleichung an internationale Standards zu erreichen. Öffentliche Aufsichtsorgane wie die Abschlussprüferaufsichtskommission (APAK) wären auch in anderen Mitgliedsstaaten notwendig, um eine unabhängige Überwachung und damit letztendlich die Glaubwürdigkeit des Berufsstandes zu gewährleisten. Ferner würde die weltweite Akzeptanz der verschiedenen Aufsichtsorgane zu einer Reduzierung von Kostentreibern für internationale Prüfungen führen. Darüber hinaus sprach Herr Tiedje die Auswirkungen der Einführung einer Haftungsbegrenzung an und stellte fest, dass bei einem zu hohen Haftungsrisiko derartige Prüfungsleistungen nicht mehr angeboten würden. Eine solche Beschränkung müsse sich auch auf die Haftung gegenüber Dritten beziehen und es sei zu bedenken, dass aus einer begrenzten Haftung auch eine Qualitätsminderung infolge eines „Moral Hazard“ resultieren könnte. Einen weiteren Schwerpunkt des Vortrags bildete die derzeit diskutierte Einführung internationaler Prüfungsstandards (ISA). Die Anwendung international akzeptierter Prüfungsstandards könne, laut Herrn Tiedje, eine höhere Reputation des Prüfers sowie eine Anhebung der Prüfungsqualität bewirken. Allerdings müsse bei deren Anwendung auf die Verhältnismäßigkeit geachtet und auf die Gefahr ausschließlich standardisierter Prüfungshandlungen hingewiesen werden. Abschließend sprach Herr Tiedje die Marktkonzentration der „Big Four“ sowie die Problematik des Bieterwettbewerbs an und stellte Überlegungen zu einem Code of Governance sowie zur Eigentümerstruktur von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften an.
In der darauf folgenden Kaffeepause bot sich den Teilnehmern die erste Möglichkeit zu einem persönlichen Gespräch mit den Referenten. Zugleich konnten die Besucher die Gelegenheit nutzen, sich an den Informationsständen ausgewählter Verlage zu informieren.

Im Rahmen der diesjährigen Diskussionsrunde, die durch Herrn Dipl.-Kfm. Georg Giersberg, Wirtschaftsredakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, moderiert wurde, diskutierten hochrangige Vertreter der beiden berufsständischen Organisationen der Wirtschaftsprüfer sowie der Abschlussprüferaufsichtskommission und der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung DPR e.V. das Thema „Droht eine Überregulierung in der Rechnungslegung, Prüfung und Berufsaufsicht?“. Eröffnet wurde die Diskussionsrunde von Herrn Dr. Herbert Meyer, Präsident der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung DPR e.V., der ein Statement zum Thema „Komplexität der IFRS als maßgebliche Ursache für die Fehleranfälligkeit der Abschlüsse kapitalmarktorientierter Unternehmen“ abgab. Zudem stellte Herr Dr. Meyer die Untersuchungsergebnisse der DPR vor und verwies auf die nicht zufrieden stellend hohe Fehlerquote von 25%. Nachfolgend bezog Herr WP/StB Professor Dr. Klaus-Peter Naumann, Sprecher des Vorstands des Instituts der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V. (IDW), zur Einführung des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes und zum Prüfungsmarkt Stellung und postulierte, dass viele Unternehmen dem faktischen Druck nach internationalen Regeln aufzustellen, unterlägen. Er sprach sich ferner für ein „downsizing“ der Prüfungsstandards aus. Herr WP/StB Professor Dr. Norbert Pfitzer, Präsident der Wirtschaftsprüferkammer (WPK) befürwortete eine Regulierung der Märkte, welche infolge externer Effekte und asymmetri-scher Informationsverteilungen notwendig sei. Jedoch sei eine gute Regulierung dadurch ge-kennzeichnet, dass sie zielorientiert reguliere, angemessen und verhältnismäßig sei und zugleich dem Kriterium der Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit genüge. Darüber hinaus wurde die Transparenz als ein zentrales Kriterium angesprochen. Zum Ende stellte Herr Dr. h.c. Volker Röhricht, Vorsitzender der Abschlussprüferaufsichtskommission (APAK), die Tätigkeit der Aufsichtsorganisation dar und sprach sich ebenfalls für vergleichbare internationale Aufsichtssysteme aus. Ferner wies Herr Dr. h.c. Röhricht auf die Möglichkeit einer Effizienzsteigerung des Letztentscheidungsrechts der APAK hin, indem diese von Anfang an in Inspektionen eingebunden würde. Auf Grundlage der Statements sowie der kritischen Hinterfragung durch Herrn Giersberg, entstand eine anregende Diskussion zwischen dem Auditorium, dem Moderator und den Diskussionsteilnehmern.

Der gemeinsame Imbiss nach der Vortragsveranstaltung gab den Teilnehmern erneut die Gelegenheit, das Gespräch mit den Referenten und anderen Gästen zu suchen, die anregende Diskussion fortzuführen sowie Kontakte zu knüpfen oder zu pflegen.
Finanziell unterstützt durch die Sponsoren BDO, DATEV, Deloitte, Ernst & Young, IHK Ulm, KPMG, MOORE STEPHENS, PwC und der Sparkasse Ulm ist es dem UFW mit der Fachtagung 2009 abermals gelungen, durch ein hochkarätiges Referententeam den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis zu fördern. Sofern sich nach Deckung der Kosten für die Fachtagung ein Überschuss ergeben sollte, wird das UFW diesen im Sinne seines gemeinnützigen Vereinszwecks verwenden.

UFW-Fachtagung 2008

Veranstaltungsbericht über die UFW-Fachtagung 2008 „Herausforderungen für den Mittelstand“

Das Ulmer Forum für Wirtschaftswissenschaften (UFW) e.V. veranstaltete am 7. Mai 2008 in Kooperation mit dem Institut für Rechnungswesen und Wirtschaftsprüfung der Universität Ulm unter Leitung von Herrn Professor Dr. Kai-Uwe Marten eine Vortragsveranstaltung zum Thema „Herausforderungen für den Mittelstand“. Zur siebten UFW-Fachtagung konnten auch in diesem Jahr erneut über 300 Manager mittelständischer Unternehmen, Vertreter von Kreditinstituten, Wirtschaftsprüfer, Steuer- und Unternehmensberater aus dem gesamten Bundesgebiet sowie zahlreiche Studierende der Universität Ulm empfangen werden.

Zu Beginn der Veranstaltung hob der Präsident der Universität Ulm, Herr Professor Dr. Karl Joachim Ebeling, in seinem Grußwort das Ausbaukonzept „Hochschule 2012“ hervor, welches unter anderem die Gründung des Instituts für Technologie- und Prozessmanagement sowie die Ausweitung der Zulassungsbeschränkung des Studiengangs Wirtschaftswissenschaften auf 175 Studienanfänger pro Jahr vorsieht. Anschließend blickte die Vorsitzende des UFW, Frau WP/StB Professor Dr. Brigitte Zürn, auf die erfolgreiche Entwicklung des im Jahr 2004 gegründeten Vereins zurück, der mittlerweile über 270 Mitglieder zählt.

Die Fachtagung begann mit einem Vortrag von Herrn Dr. Dieter Hundt, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände e.V. (BDA), dessen Titel „Der deutsche Mittelstand – Chancen wahrnehmen und Herausforderungen meistern“ lautete. Herr Dr. Hundt referierte über die Rahmenbedingungen in Deutschland und deren Auswirkungen auf Unternehmen. Er unterstrich die Bedeutung mittelständischer Unternehmen als Rückgrad der deutschen Wirtschaft. Der Erfolg der Unternehmen hänge nicht nur vom Geschick der Unternehmensführung ab, vielmehr müssten auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erfüllt sein, so Herr Dr. Hundt. Neben den Erwartungen kleiner und mittelständischer Unternehmen an die Standortpolitik thematisierte Herr Dr. Hundt die Forderungen an die Arbeits- und Sozialpolitik in Deutschland. Er verlangte eine unternehmerfreundlichere Erbschaftsteuerreform. Die derzeit angedachte Besteuerung von Unternehmensübergängen hingegen führe zu einer zusätzlichen Gefährdung des Mittelstandes. Als weitere Risiken und Herausforderungen für mittelständische Unternehmen identifizierte Herr Dr. Hundt neben der US-Finanzmarktkrise, dem schwachen Dollarkurs und der sich insgesamt abschwächenden Weltkonjunktur die anhaltend hohen und ständig steigenden Energie- und Rohstoffpreise.

Im Anschluss sprach Herr Jörg Ziercke, Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), über die „Gefahren für die Wirtschaft durch aktuelle Kriminalitätsphänomene“. Er berichtete, dass die Globalisierung die Basis für eine rasante Verbreitung neuer Technologien darstelle, welche zu einer veränderten Kriminalität und zu neuartigen Bedrohungsszenarien, insbesondere im Informations- und Kommunikationssektor, führe. Herr Ziercke kritisierte, dass Unternehmen in Bezug auf die notwendige IT-Sicherheit nur bedingt gerüstet seien. Lediglich 50 % der IT-Verantwortlichen hätten eine schriftlich fixierte Strategie zur Informationssicherung. Eine Vielzahl von Unternehmen messe dem Thema erst nach einem Schadensfall die notwendige Relevanz bei, so Herr Ziercke. Die Sicherheitskompetenz der Nutzer von Informations- und Kommunikationstechnologien müsse auf allen Ebenen verbessert werden. Herr Ziercke legte dar, welche Auswirkungen neue Kriminalitätsformen auf Staat, Wirtschaft und Gesellschaft haben. Er stellte fest, dass man sich nicht zurücklehnen dürfe, auch wenn die Wirtschaftskriminalität rein statistisch gesehen zurückgehe. Entscheidend sei immer, wie hoch der Einsatz des Staates, der Sicherheitsbehörden und Staatsanwaltschaften sei, um dieses Phänomen weiter zu bekämpfen. Obgleich die Wirtschaftskriminalität auch in Zukunft eine große Bedeutung für die Kriminalitätslage in Deutschland habe, wies Herr Ziercke letztlich darauf hin, dass Deutschland zu den sichersten Ländern der Welt gehöre.

In der sich anschließenden Talkrunde, die von Herrn Siegfried Bauer, Leiter der Wirtschaftsredaktion der Südwest Presse, moderiert wurde, setzten sich vier Praktiker mit dem Thema „Wirtschaftskriminalität in der Unternehmenspraxis“ auseinander. Neben Herrn Ziercke standen Herr Dr. Stefan Heißner, der mit den Erfahrungen aus 15 Jahren Polizeidienst heute als Lead Partner für Deutschland und Zentraleuropa im Bereich Fraud Investigation & Dispute Services für Ernst & Young tätig ist, und Herr Rechtsanwalt Martin Welker, Leiter der Rechtsabteilung der Andreas Stihl AG & Co. KG, verantwortlich insbesondere für die Bekämpfung der Produkt- und Markenpiraterie, Rede und Antwort. Herr Oberstaatsanwalt a.D. Dr. Claus-Peter Wulff, Mitglied der Abschlussprüferaufsichtskommission, der sich seit nahezu vierzig Jahren mit der Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität beschäftigt, vervollständigte die Gesprächsrunde. Diskutiert wurde, dass Kriminalität in den meisten Fällen ein gesamtgesellschaftliches Problem darstelle. Demzufolge müsse die Kriminalitätsbekämpfung bzw. -prävention ebenfalls als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden werden. Um sich vor neuen Kriminalitätsphänomenen weitgehend schützen zu können, so Herr Dr. Heißner, sei es wichtig, sich die möglichen Bedrohungsszenarien vor Augen zu führen, um sich entsprechend positionieren und organisieren zu können. Herr Dr. Wulff berichtete, dass Unternehmen, sobald sie einen durch Wirtschaftskriminalität verursachten Schaden erlitten hätten, daraus sehr schnell Lehren zögen. Ein weiterer Aspekt, der im Verlauf der Talkrunde erörtert wurde, betrifft die zunehmende Produkt- und Markenpiraterie in der Unternehmenspraxis. Herr Welker bekräftigte, dass Unternehmen bereits in einem frühen Stadium konsequent eingreifen müssten. Um große wirtschaftliche Schäden zu vermeiden, sollten Unternehmen deshalb gewerbliche Schutzrechte für ihre Produkte erwerben und von ihnen entwickelte Techniken durch Patente schützen lassen.

In der Kaffeepause bot sich den Teilnehmern eine erste Möglichkeit zu einem persönlichen Gespräch mit den Referenten. Darüber hinaus konnten die Besucher die Gelegenheit nutzen, sich an den im Foyer aufgebauten Ständen zu informieren.

Der zweite Vortragsblock begann mit den Ausführungen von Herrn Ministerialrat FAStR Dr. Christoph Ernst, Leiter des Referats Rechnungslegung, Publizität, Recht der Abschlussprüfung im Bundesministerium der Justiz. Er befasste sich mit den Auswirkungen des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) für den deutschen Mittelstand, das unter anderem eine Befreiung von Buchführungs- und Bilanzierungspflichten für Kleinstunternehmen sowie Erleichterungen bei der Bilanzierung und Offenlegung kleiner Kapitalgesellschaften vorsieht. Herr Dr. Ernst hob hervor, dass insbesondere die mittelständischen Unternehmen eine große Abneigung gegenüber der Anwendung der internationalen Rechnungslegungsstandards IFRS hätten, sodass der deutsche Gesetzgeber mit dem durch das BilMoG modernisierte Handelsgesetzbuch eine echte Alternative schaffen könne. Eine Verabschiedung des BilMoG wird, so Herr Dr. Ernst, noch im Jahr 2008 angestrebt. Der Referent verdeutlichte dem Auditorium, dass das BilMoG keinen Paradigmenwechsel in dem Sinne einleite, „dass wir alles über Bord schmeißen, was bisher im deutschen Bilanzrecht gut und teuer war.“

Den Abschluss der interessanten und aufschlussreichen UFW-Fachtagung bildete der Vortrag von Herrn Professor Dr. Axel von Werder, Inhaber des Lehrstuhls für Organisation und Unternehmensführung an der Technischen Universität Berlin. Er thematisierte die aktuellen Entwicklungen in der Corporate Governance unter Berücksichtigung der Belange mittelständischer Unternehmen. Im Vergleich zu früher habe die Thematik der Corporate Governance inzwischen einen neuen Stellenwert eingenommen und wesentlich an Bedeutung gewonnen. Grund hierfür seien zum einen Fälle von Missmanagement und zum anderen die Globalisierung der Kapitalmärkte, so von Werder. Weiterhin ging Herr Professor von Werder auf die Akzeptanz des Deutschen Corporate Governance Kodex in der Praxis, die aktuellen Themen in der Corporate Governance-Diskussion sowie die daraus resultierenden Implikationen für den Mittelstand ein.

Die Vortragsveranstaltung endete mit einem geselligen Beisammensein am reichhaltigen Buffet, bei dem letzte Fragen zwischen den Teilnehmern und den Referenten geklärt sowie neue Kontakte geknüpft werden konnten.

Dank der Hilfe bei der Organisation und Durchführung der Veranstaltung durch zahlreiche Studierende der Universität Ulm sowie der finanziellen Unterstützung seitens der Sponsoren des Ulmer Forums für Wirtschaftswissenschaften ist es Herrn Professor Dr. Kai-Uwe Marten und seinen Mitarbeitern gelungen, den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis mit einem hochkarätigen Referententeam weiter zu intensivieren.