Antrittsvorlesung Frau Professor Zürn

Nach der feierlichen Urkundenübergabe im Rahmen des dies academicus hielt Frau WP/StB Professor Dr. Brigitte Zürn am 7. Februar 2006 ihre Antrittsvorlesung an der Universität Ulm zum Thema „Die aktuellen Ansätze zur Steuerreform – Stückwerk oder Gesamtkonzept?“. Nicht nur Freunde und Verwandte der frischgebackenen Honorarprofessorin waren der Einladung zu dieser Veranstaltung gefolgt; auch viele Mitglieder des Ulmer Forums für Wirtschaftswissenschaften (UFW) e.V. sowie Wirtschaftsprüfer und Vertreter mittelständischer Unternehmen der Region als auch Professorenkollegen der Universität Ulm erwiesen Frau Zürn die Ehre.

Im Rahmen seiner Begrüßung hob der Dekan der Fakultät für Mathematik und Wirtschaftswissenschaften, Herr Professor Dr. Ulrich Stadtmüller, hervor, dass die Universität und speziell die Fakultät dankbar dafür seien, dass Frau Zürn nicht nur die Ehre der ihr angetragenen Honorarprofessur angenommen habe, sondern auch die damit verbundene Pflicht, in jedem Semester Vorlesungen anzubieten. Sie binde sich somit stärker an die Universität Ulm und unterstütze den Fachbereich Wirtschaftswissenschaften wesentlich.

Im Anschluss an die einleitenden Worte des Dekans begann Frau Zürn ihren Vortrag, in dessen Verlauf sie sich der Themenkomplexe „Maßnahmen zu Haushaltskonsolidierung und zur Belebung der Binnenkonjunktur“ und „Grundlegende Steuerreformmaßnahmen“ annahm.

Die Zuhörerschaft war von der Tatsache fasziniert, dass Deutschland nicht nur 80% der weltweit zu steuerlichen Themen verfassten Literatur stelle, sondern nach einer Umfrage des World Economic Forum unter 104 untersuchten Ländern auch über das ineffizienteste Steuersystem verfüge. Frau Zürn informierte über die geplanten Steueränderungen insbesondere im Bereich Umsatzsteuer und „Reichensteuer“ und würdigte diese kritisch – insbesondere unter dem Gesichtspunkt, dass das Ziel der neuen Bundesregierung ein einfacheres und wachstumförderndes Steuersystem ist. Dass die Steuererklärung auf einem Bierdeckel, wie Herr MdB RA Friedrich Merz dies einstmals propagierte, im Vergleich zu den zig Seiten der aktuellen Einkommensteuererklärung 2005 ein riesiger Schritt wäre, war den Anwesenden nach den überaus anschaulichen Ausführungen klar.

Anschließend widmete sich Frau Zürn den „Grundlegenden Steuerreformmaßnahmen“, vor allem im Bereich Einkommen- und Unternehmensteuerreform. Sie verwies dabei auf Konzepte des Sachverständigenrates und der Stiftung Marktwirtschaft.

Ergänzend ging sie auf Probleme der schwäbischen Mittelständler ein, bei denen Gewinne häufig im Unternehmen verblieben und im Falle einer Vererbung keine Liquidität zur Tilgung der Erbschaftsteuer zur Verfügung stehe. Diese Problematik solle mit einer Erbschaftsteuerreform gelöst werden, die zwar schon in der Schublade der Bundesregierung läge, aber noch auf ihre Umsetzung warte.

Das vom Sachverständigenrat vorgeschlagene Konzept der dualen Einkommensteuer, wie es schon in skandinavischen Ländern wie Norwegen und Schweden erfolgreich praktiziert wird, wurde von Frau Zürn dahingehend kritisiert, dass das Konzept der angestrebten Rechtsformneutralität der Besteuerung nicht gerecht würde und keine Vereinfachung des Systems verspreche.

Das Konzept der Stiftung Marktwirtschaft stieß hingegen eher auf ihre Zustimmung, werde doch der Grundgedanke einer einheitlichen Besteuerung aller Unternehmen ohne eine Mehrbelastung von Einzelunternehmern oder Personengesellschaften gut umgesetzt, auch wenn die Einkunftsarten nur von sieben auf vier reduziert werden sollen.

Frau Professor Zürn schloss mit einem Fazit, dass die vorliegenden Gesetzesentwürfe zwar Stückwerk seien, die diskutierten Konzepte einer grundlegenden Steuerreform allerdings einem Gesamtkonzept folgten, auch wenn sie erst in 2008 umgesetzt werden sollen.

Im Anschluss an den Vortrag fand zwischen der Dozentin und den Anwesenden eine rege Diskussion statt. Alle Anwesenden waren anschließend noch zu einem Stehempfang im Foyer eingeladen.